IFRiS Working Paper No.2


Flucht und Integration.Geflüchtete in Sachsen
Oliver Decker, Christian Eichardt, Tobias Genswein, Steffen Kailitz, Gert Pickel, Sheryn Rindermann, Antje Röder, Julia Schulze Wessel - Dezember 2017
Zusammenfassung

Hintergrund und Fragestellung: Mit der Zunahme der Zahl der Geflüchteten in Deutschland gewann die Frage nach Motoren und Bremsen ihrer Integration an Bedeutung. Im Forschungsprojekt „Flucht und Integration. Geflüchtete in Sachsen“ (FLIN) wurden Geflüchtete in Sachsen befragt, um Kenntnisse über soziodemographische Hintergründe, politische, soziale und religiöse Wertevorstellungen und ihre Sichtweise auf Deutschland und die Deutschen zu erlangen. Die Befragung war dabei als Pretest für eine geplante deutschlandweite Befragung angelegt. Dieser Beitrag beschreibt die Vorgehensweise bei der Befragung, präsentiert zentrale Befunde des Pretests und vergleicht die Ergebnisse von FLIN mit Ergebnissen anderer Befragungen von Geflüchteten.
Methode: Zwischen November 2016 und Januar 2017 befragten durch Projektverantwortliche geschulte Interviewerinnen und Interviewer mit Arabisch- und/oder Persischkenntnissen im Rahmen des Projekts in Erstaufnahmeeinrichtungen in Chemnitz und Dresden sowie im sozio-kulturellen Zentrum „Die Villa“ und an der Universität in Leipzig 61 Geflüchtete. Als Erhebungsinstrument diente ein standardisierter Fragebogen auf Arabisch, Persisch, Englisch und Deutsch. Bei Fragen und Schwierigkeiten mit dem Fragebogen standen den Befragten die Interviewerinnen und Interviewer zur Klärung zur Verfügung. Bei der Testbefragung wurde bei einem Teil der Befragten ohne Aufwandsentschädigung, bei einem anderen Teil der Befragten mit einer Aufwandsentschädigung von zehn Euro gearbeitet.
Ergebnisse: Über zwei Drittel der Befragten (69,2 %) fühlen sich in Deutschland sehr oder eher willkommen. Deutlich mehr als ein Drittel der Befragten (37,5 %) berichten von persönlichen Diskriminierungserfahrungen. Die Befragten äußern eine hohe Zustimmung zur Demokratie, gleichzeitig bestehen aber Sympathien für autoritäre Systeme. Nur eine kleine Minderheit (6,3 %) der Antwortenden bezeichneten sich als „sehr religiös“. Die Befragten sehen weitgehend Frauen und Männer als gleichberechtigt.
Diskussion: Da der Pretest keinen Anspruch auf Repräsentativität erhebt, sind die Ergebnisse sehr vorsichtig zu interpretieren. Allerdings werden in anderen Befragungen von Geflüchteten weitgehend ähnliche Ergebnisse erzielt. Nach dem Pretest wird Verbesserungsbedarf vor allem im Feldzugang gesehen. Hier müssen vor allem die Vorankündigung und die räumliche Befragungssituation verbessert werden. Bei der Auswahl der Zielpersonen sind ausreichende Sprach- und Lesekenntnisse zu berücksichtigen. Die Erhebung politischer Einstellungen war aufgrund hoher Fehlwerte ein Problem und erfordert Anpassungen im Fragebogen.

Schlüsselbegriffe : Geflüchtete - Pretest-Befragung - Einstellungen - Integration - Sachsen